
Das Datenblatt verspricht 181 Kilometer. Ihr Einsatztag bringt 140. Klingt nach Reserve, oder? Bis der erste Regen kommt, die volle Zuladung an Bord ist, die Heizung Strom zieht und es draußen friert. Dann wird es eng. Reichweite ist keine Zahl. Reichweite ist ein Zusammenspiel.
Wir zeigen, was die TX-Modelle und der LTX wirklich leisten und wie Sie Ihren typischen Einsatztag ehrlich kalkulieren. Ohne Werks-Versprechen, mit Zahlen, die sich nachrechnen lassen. Wer das einmal sauber durchrechnet, braucht keine Reichweitenangst mehr.
Warum die Datenblatt-Reichweite nur die halbe Wahrheit ist
Auf jedem Prospekt steht eine Zahl. Sie ist nach dem WLTP-Verfahren gemessen, einem genormten Prüfzyklus. Hersteller müssen ihn nutzen, sonst wären ihre Werte nicht vergleichbar. Das Problem: Im WLTP rollt das Fahrzeug auf einem Rollenprüfstand. Es regnet nicht, es ist mild, niemand sitzt drin, kein Werkzeug und keine Ladung sind an Bord, Heizung und weitere Nebenverbraucher bleiben aus.
Daraus entstehen Reichweitenangaben, die jeden Hersteller gut aussehen lassen. Sie taugen für den Direktvergleich zwischen zwei Modellen unter identischen Bedingungen. Sie taugen nicht für die Frage, ob das Fahrzeug Ihren Montagmorgen mit voller Ladung und Nieselregen übersteht. Genau diese Lücke zwischen Norm und Praxis bestätigt auch der ADAC regelmäßig: Im Winter liegen die Mehrverbräuche von Elektrofahrzeugen je nach Fahrzeug bei rund 25 bis 31 Prozent gegenüber dem Normwert. Die ehrliche Planung beginnt deshalb nicht beim Prospektwert, sondern bei einem realistischen Abschlag.
Was die Reichweite wirklich beeinflusst
Vier Faktoren bewegen die echte Reichweite. Fast immer nach unten.
Das Gewicht. Jedes Kilogramm Zuladung kostet Strom. Ein TX7-e mit einer Tonne Pflastersteinen verbraucht spürbar mehr als derselbe TX7-e leer. Als Faustwert rechnen Sie voll beladen mit 15 bis 25 Prozent weniger Reichweite. Wer dauerhaft am Limit der zulässigen Zuladung fährt, plant besser mit dem unteren Wert.
Das Wetter. Kälte ist der größte Reichweitenfresser im Elektrofahrzeug. Unter null Grad sinkt die nutzbare Akkukapazität, gleichzeitig zieht die Innenraumheizung Strom – anders als beim Verbrenner gibt es keine kostenlose Motorabwärme. Im Winter sind rund 20 bis 30 Prozent weniger Reichweite normal, bei strenger Kälte auch mehr. Hitze ist weniger dramatisch, kostet aber ebenfalls: Bei sehr hohen Temperaturen arbeiten Batterie und Nebenverbraucher ineffizienter, hier sind grob fünf bis zehn Prozent realistisch. Immerhin: Die in den TYN-e-Modellen verbauten LiFePO4-Zellen gelten als vergleichsweise kälterobust.
Das Tempo. Elektrofahrzeuge mögen niedrige Geschwindigkeiten. Bei 50 bis 60 Kilometern pro Stunde sind sie am effizientesten, also genau im Tempobereich, in dem die TYN-e-Modelle ohnehin unterwegs sind. Alle TX-Modelle fahren bauartbedingt maximal 80 km/h; Autobahn-Hochgeschwindigkeit mit ihrem überproportionalen Verbrauch ist hier gar kein Thema. Das ist im Reichweitenkontext ein Vorteil, kein Nachteil.
Die Topografie. Bergauf kostet, bergab gewinnen Sie über die Bremsenergie etwas zurück, aber nicht alles. In hügeligem Gelände rechnen Sie mit fünf bis zehn Prozent Verlust, in den Bergen mehr, im flachen Norddeutschland praktisch nichts.
Zur schnellen Orientierung die typischen Größenordnungen auf einen Blick:
| Einflussfaktor | Typische Größenordnung | Hinweis |
|---|---|---|
| Volle Zuladung | Rund 15 bis 25 % weniger | Faustwert; je schwerer und konstanter beladen, desto höher |
| Winter / Kälte | Rund 20 bis 30 % weniger | Bei strenger Kälte mehr (ADAC: ~25 bis 31 % Mehrverbrauch) |
| Sehr hohe Temperaturen | Rund 5 bis 10 % weniger | Deutlich weniger kritisch als Kälte |
| Hügeliges Gelände | Rund 5 bis 10 % weniger | Im Gebirge mehr, im Flachland nahe null |
| Reifendruck 0,5 bar zu niedrig | Rund 3 bis 5 % weniger | Günstig vermeidbar, summiert sich übers Jahr |
Die Prozentwerte sind allgemeine Erfahrungswerte für Elektrofahrzeuge und addieren sich nicht einfach linear, sie zeigen die Richtung, nicht eine exakte Rechnung.
TYN-e-Modelle im realen Einsatz
Datenblatt-Werte sind das eine, was im Alltag ankommt, das andere. Die Profile, jeweils mit ehrlichem Abschlag gerechnet.
Der TX1-e in der Innenstadt. Datenblatt-Reichweite: 135 Kilometer (WLTP). Im realen Stadtbetrieb, rund 40 km/h Schnitt, häufiges Stop-and-go, geringe Zuladung, ganzjährig – bleiben davon grob 100 bis 115 Kilometer. Wer einen Lieferdienst-Tag mit 80 bis 100 Kilometern und Mittagsladen am Depot fährt, hat damit komfortablen Puffer.
Der TX2-e als Kompakt-Transporter. Der TX2-e liegt zwischen TX1-e und TX7-e. Die Box-Variante (TX2-B) bringt 101 Kilometer WLTP, die Pritsche (TX2-P) 107 Kilometer. Real gemischte Strecke, durchschnittliche Witterung, moderate Zuladung, sind das rund 75 bis 90 Kilometer. Für innerörtliche Liefer- oder Servicetouren mit Rückkehr zum Betriebshof reicht das in aller Regel deutlich aus.
Der TX7-e mit Last. Hier muss man Box und Pritsche trennen. Die Pritsche (TX7-P) hat 181 Kilometer WLTP und 1.200 Kilogramm zulässige Zuladung, die Box (TX7-B) 150 Kilometer und 1.135 Kilogramm. Voll beladen, gemischte Strecke aus Landstraße und Stadtverkehr, durchschnittliche Witterung: Beim TX7-P landen Sie real bei rund 120 bis 140 Kilometern, beim TX7-B entsprechend bei rund 105 bis 120 Kilometern. Reicht für den Tagesausflug zum Großmarkt und zurück; wer mehr am Stück fahren will, sollte die Strecke vorher genau prüfen.
Der LTX im Stadtquartier. Der LTX ist ein Leichtelektrofahrzeug der Klasse L7e und vor allem für kurze Wege gedacht. Sein Datenblattwert liegt bei bis zu 190 Kilometern und wichtig: Alle LTX-Angaben sind herstellerseitig noch vorläufig (Stand 05/2026). Real sind je nach Beladung und Wetter rund 130 bis 150 Kilometer eine realistische Erwartung. Für einen Hausmeisterdienst oder einen Hotel-Shuttle im Quartier ist das in der Regel deutlich mehr als gebraucht.
Drei Rechenbeispiele aus der Praxis
Der ambulante Pflegedienst. Ein Pflegedienst in einer mittelgroßen Stadt fährt mit einem TX1-e typischerweise rund 70 Kilometer am Tag: vier Touren pro Schicht, viele kurze Stopps, ganzjähriger Betrieb. Der TX1-e hat rund 17 Kilowattstunden Akkukapazität. Rechnet man im Sommer mit einem Verbrauch um 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer und im Winter mit knapp 19, ergeben sich grob 110 Kilometer im Sommer und rund 90 Kilometer im Winter pro Ladung. Der Tagesbedarf von 70 Kilometern liegt damit ganzjährig sicher innerhalb der verfügbaren Reichweite, inklusive Puffer für den schlechten Tag.
Der innerstädtische Lieferdienst. Ein Kurier fährt mit einem TX2-e (Pritsche) etwa 60 Kilometer pro Schicht, viele kurze Etappen, Rückkehr zum Betriebshof. Bei 107 Kilometern Datenblatt und ehrlichem Abschlag bleiben real rund 75 bis 90 Kilometer. Der Tagesbedarf passt mit Reserve. Und über Nacht ist das Fahrzeug an einer einfachen Steckdose wieder voll (siehe FAQ).
Der Hausmeisterservice. Ein Hausmeisterdienst mit mehreren betreuten Objekten im Stadtgebiet fährt rund 90 Kilometer am Tag, wechselnde Lasten an Werkzeug und Material. Mit einem TX7-e (Box, 150 Kilometer WLTP) liegt der reale Korridor bei rund 105 bis 120 Kilometern, der 90-Kilometer-Tag geht damit auch im Winter und bei wechselnder Beladung auf.
Eine Faustregel für die ehrliche Kalkulation
Sie brauchen keine Tabellenkalkulation, sondern eine belastbare Daumenregel:
- Nehmen Sie die Datenblatt-Reichweite und ziehen Sie 25 Prozent ab. Das ist Ihre verlässliche Sommer-Tageszahl bei normaler Beladung und gemischter Strecke.
- Im Winter ziehen Sie von diesem Wert weitere 15 Prozent ab.
- Wer regelmäßig voll beladen unterwegs ist, zieht noch einmal 10 Prozent ab.
Beispiel TX7-e (Pritsche), Datenblatt 181 Kilometer: Sommertag, halbe Beladung rund 136 Kilometer. Wintertag, voll beladen rund 104 Kilometer.
Beispiel TX1-e, Datenblatt 135 Kilometer: Sommertag, normale Beladung rund 100 Kilometer. Wintertag, voll beladen rund 80 Kilometer.
Vergleichen Sie diese Zahl mit Ihrem typischen Einsatztag. Wer auf rund 80 Prozent Auslastung kommt, hat genug Puffer für den schlechten Tag; wer auf 95 Prozent kommt, sollte das größere Modell wählen oder mittags nachladen. Die Regel ist bewusst konservativ: Der reale Wert liegt damit immer unter dem Prospektwert – und genau so soll es sein.
Wie Sie die Reichweite aktiv beeinflussen
Aus demselben Akku holen erfahrene Fahrer spürbar mehr Kilometer als ungeübte. Das ist kein Hexenwerk, sondern Fahrweise und Wartung. Drei Punkte machen den Unterschied.
Gleichmäßig und vorausschauend fahren. Wer sanft beschleunigt, früh vom Gas geht und das Fahrzeug ausrollen lässt, verbraucht deutlich weniger als wer bis zur roten Ampel beschleunigt und dann hart bremst. Das gilt für jedes Fahrzeug, beim Elektroantrieb zahlt es sich besonders aus. Gerade im dichten Stadtverkehr liegt hier der größte Hebel.
Moderates Tempo halten. Schon zehn Stundenkilometer weniger senken den Verbrauch merklich. Da die TYN-e-Modelle ohnehin im niedrigen Tempobereich unterwegs sind, ist das im Alltag leicht umsetzbar – konstant und ruhig statt ständig beschleunigen und abbremsen.
Reifendruck und Ballast im Blick behalten. Ein um 0,5 bar zu niedriger Reifendruck kostet rund drei bis fünf Prozent Reichweite. Das klingt wenig, summiert sich aber über Monate. Auch nicht benötigtes Material dauerhaft mitzufahren ist totes Gewicht, eine kurze Sichtkontrolle vor Tourbeginn lohnt sich.
Häufige Fragen
Reicht eine Haushaltssteckdose, um über Nacht voll zu laden?
Für die kleineren Modelle ja. Eine Schuko-Steckdose liefert beim Laden rund 2,2 Kilowatt; ein TX1-e ist damit in etwa acht Stunden voll, ebenso der TX2-e. Der größere TX7-e mit 28,8-Kilowattstunden-Akku braucht an der Haushaltssteckdose deutlich länger und ist vor allem für die DC-Schnellladung ausgelegt: An einem 28-kW-Lader ist er in rund einer Stunde geladen, zusätzlich ist eine Wallbox mit 3,7 Kilowatt möglich. Für eine typische Tagesfahrt genügt aber auch beim TX7-e in der Regel die Ladung über Nacht.
Was passiert, wenn der Akku unterwegs leer wird?
Das Gleiche wie beim Verbrenner: Sie bleiben stehen. Vorher zeigt die Anzeige aber laufend an, wie viel Reichweite noch da ist. Wer mit einem Puffer von rund 20 Prozent kalkuliert, kommt praktisch nicht in diese Situation.
Verliert der Akku über die Jahre an Reichweite?
Ja, aber langsam und vorhersehbar. TYN-e gibt auf die Batterie eine Garantie von fünf Jahren bzw. 1.500 Ladezyklen, bezogen auf 80 Prozent der Kapazität (Antrieb: fünf Jahre oder 120.000 Kilometer; Fahrzeug: zwei Jahre oder 60.000 Kilometer). Das heißt: Selbst am Garantieende sind noch rund vier Fünftel der ursprünglichen Kapazität zugesichert, und der Verlust tritt schleichend ein, nicht sprunghaft. LiFePO4-Zellen, wie sie in den TYN-e-Modellen verbaut sind, gelten generell als besonders langlebig und altern überwiegend zeit- statt rein zyklenabhängig.
Wie schnell laden die TYN-e-Modelle an einer öffentlichen Säule?
Das hängt vom Modell ab. TX1-e und TX2-e laden über das bordeigene AC-Ladegerät mit rund 2,2 Kilowatt; eine leistungsstärkere AC-Säule beschleunigt das nicht, eine Vollladung dauert hier rund acht Stunden. Der TX7-e unterstützt zusätzlich DC-Schnellladung mit 28 kW und ist darüber in rund einer Stunde geladen. Für die meisten Betriebe ist ohnehin das Laden über Nacht der Normalfall.
Macht es einen Unterschied, ob ich auf 100 oder nur auf 80 Prozent lade?
Für die Lebensdauer ja. LiFePO4-Zellen vertragen Vollladung besser als andere Zellchemien, aber wer regelmäßig nur auf 80 bis 90 Prozent lädt, schont den Akku zusätzlich. Wer den vollen Aktionsradius braucht, lädt voll. Beides ist im Alltag unbedenklich.
Wie genau ist die Reichweitenanzeige?
Sie ist eine Schätzung auf Basis der letzten Fahrten und der aktuellen Bedingungen. Nach sparsamer Fahrt zeigt sie mehr, nach zügiger Fahrt weniger. Ein guter Indikator, aber kein exakter Wert, die eigene, konservativ gerechnete Tageszahl bleibt die bessere Planungsgrundlage.
Welches Modell passt zu Ihrem Profil?
Die Frage ist selten, ob ein Elektro-Nutzfahrzeug die Reichweite schafft, sondern welches Modell zu Ihrem Profil passt. Rechnen Sie den typischen Tag mit dem konservativen Abschlag durch und gleichen Sie ihn mit dem realen Korridor des Modells ab. Mehr zu den Fahrzeugen finden Sie auf den Modellseiten zum TX1-e und zum LTX sowie zur gesamten TX-Reihe auf tyn-e.com. Wenn Sie es genau für Ihren Fuhrpark wissen wollen, klären wir den Bedarf gemeinsam. In einem unverbindlichen Beratungsgespräch oder bei einer Probefahrt mit Ihrem typischen Lastprofil.
Fazit
Reichweite ist keine Zahl auf dem Prospekt. Reichweite ist das, was bei Ihrem konkreten Einsatzprofil herauskommt. Wer den Datenblattwert ehrlich nach unten korrigiert und seine Tagesfahrt mit Puffer kalkuliert, fährt elektrisch ohne Reichweitenangst. Die TYN-e-Modelle sind für den gewerblichen Kurzstrecken- und Verteilereinsatz konzipiert; ihre realen Reichweiten passen zu typischen Fuhrpark-Profilen in Handwerk, Pflege- und Lieferdiensten, Garten- und Landschaftsbau und Hausmeisterservice. Rechnen Sie ehrlich – dann rechnet sich der Umstieg.
Quellen
Modellbroschüre (PDF, TX1/TX2/TX7): https://tyn-e.com/media/2025/04/2025_04_TYN-e-Broschure_A4_hoch-Modellfamilie.pdf
LTX-Modellseite (vorläufige Angaben): https://tyn-e.com/ltx/
ADAC E-Auto-Reichweitenrechner (WLTP + Einflussfaktoren): https://www.adac.de/fahrzeugwelt/rechner/elektroauto-reichweite/
ADAC „Elektroauto im Winter“ (Mehrverbrauch Kälte): https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/laden/elektroauto-reichweite-winter/
ADAC „Elektroauto-Effizienz“ (Reifendruck/Fahrweise): https://www.adac.de/fahrzeugwelt/magazin/e-mobilitaet/elektroauto-effizienz/
MDPI Energies – LiFePO4/C Long-Term Calendar Aging: https://www.mdpi.com/1996-1073/14/6/1732
ScienceDirect J. Energy Storage – Aging behavior of LiFePO4 cells: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352152X25018481Bundesnetzagentur – öffentliche Ladeinfrastruktur: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/E-Mobilitaet/start.html