Sonnenstrom für die Flotte: Wie Unternehmen E-Nutzfahrzeuge mit PV-Anlage rentabel laden

PV-Anlage & E-Transporter: Sonnenstrom für Gewerbe
Das Wichtigste in Kürze: Selbst erzeugter Solarstrom kostet Gewerbebetriebe deutlich weniger als Netzstrom und bringt eingespeist nur 5,50 bis 7,78 Cent je Kilowattstunde (Teileinspeisung, Stand Februar bis Juli 2026). Jede Kilowattstunde, die stattdessen ins E-Nutzfahrzeug fließt, ersetzt Netzstrom für rund 25 bis 30 Cent. Als Faustformel für die Planung: rechnerisch etwa 3 kWp zusätzliche PV-Leistung je Fahrzeug, in der Praxis eher 4 bis 5 kWp.

Auf vielen Gewerbedächern liegt die günstigste Tankstelle des Betriebs, sie wird nur noch nicht als solche genutzt. Die Kombination aus Photovoltaik und E-Nutzfahrzeugen löst dabei zwei Probleme auf einmal: Die PV-Anlage bekommt einen zusätzlichen Abnehmer für ihren Mittagsstrom, und die Flotte fährt mit Strom, dessen Preis für 20 Jahre praktisch feststeht. Dieser Artikel zeigt, wie sich das rechnet, wie man die Anlage dimensioniert und wo die ehrlichen Grenzen liegen.

Warum passen PV-Anlage und E-Flotte so gut zusammen?

Eine Gewerbe-PV-Anlage verdient ihr Geld fast ausschließlich über den Eigenverbrauch. Der Grund liegt in der Preisschere: Kleinere Gewerbebetriebe zahlen für Netzstrom aktuell im Schnitt rund 27 Cent je Kilowattstunde. Für eingespeisten Solarstrom gibt es bei Teileinspeisung dagegen nur 7,78 Cent (Anlagenanteil bis 10 kWp), 6,73 Cent (10 bis 40 kWp) beziehungsweise 5,50 Cent (40 bis 100 kWp). Diese Sätze gelten für Inbetriebnahmen von Februar bis Juli 2026, zum 1. August sinken sie turnusmäßig um rund ein Prozent.

Jede Kilowattstunde, die der Betrieb selbst verbraucht statt einspeist, ist also rund 20 Cent mehr wert. E-Nutzfahrzeuge sind dafür ideale Abnehmer: Sie nehmen planbar große Strommengen auf und lassen sich zeitlich steuern. Typische Eigenverbrauchsquoten steigen mit tagsüber ladenden Fahrzeugen aus der Praxis heraus von 50 bis 70 Prozent auf 70 bis 85 Prozent. Der Sommer zeigt das Prinzip am deutlichsten: Gerade in den ertragsstarken Monaten von Mai bis September produziert die Anlage mittags regelmäßig mehr, als der Betrieb ohne Fahrzeuge abnehmen kann.

Wie viel PV-Leistung braucht ein E-Nutzfahrzeug?

Die Dimensionierung lässt sich mit drei Zahlen überschlagen: Tageskilometer, Verbrauch und PV-Ertrag. Ein Rechenbeispiel mit dem TYN-e TX1-e, konservativ gerechnet mit 20 kWh je 100 Kilometer (die offizielle Verbrauchsspanne der Modellfamilie liegt kombiniert bei 20,42 bis 15,07 kWh je 100 Kilometer):

  • 60 Tageskilometer mal 20 kWh je 100 km ergeben 12 kWh Ladebedarf pro Arbeitstag.
  • Bei 220 Arbeitstagen sind das rund 2.600 kWh im Jahr je Fahrzeug.
  • Eine Gewerbe-Dachanlage liefert in Deutschland grob 900 bis 1.000 kWh je kWp und Jahr. Rechnerisch decken also knapp 3 kWp den Jahresbedarf eines Fahrzeugs.

In der Praxis plant man eher 4 bis 5 kWp je Fahrzeug ein, weil PV-Ertrag und Ladebedarf zeitlich nie perfekt zusammenfallen: Im Winter liefert die Anlage wenig, und nicht jedes Fahrzeug steht mittags im Hof. Die Faustformel taugt trotzdem als erster Anhaltspunkt für das Gespräch mit dem Solarteur.

Der TYN-e-Vorteil: kleine Ladeleistung, langer Ladevorgang

Was beim Schnellladen wie ein Nachteil klingt, ist beim Solarladen ein Vorteil. TX1-e und TX7-e laden mit maximal 2,2 kW Wechselstrom, beim TX7-e ist zusätzlich eine Wallbox mit 3,7 kW möglich. Diese niedrige Dauerlast passt hervorragend zum Überschussprofil einer PV-Anlage: Statt in einer kurzen Lastspitze zu laden, nimmt das Fahrzeug den Solarstrom über viele Stunden gleichmäßig auf. Schon eine mittelgroße Anlage kann so mehrere Fahrzeuge parallel versorgen, ohne dass teures Lastmanagement nötig wird.

Beispielrechnung: Handwerksbetrieb mit drei Fahrzeugen

Ein Betrieb mit zwei TX1-e und einem TX7-e, zusammen rund 8.000 kWh Ladebedarf im Jahr, prüft eine 30-kWp-Dachanlage. So sieht die Überschlagsrechnung aus:

PositionAnnahmeWert
Jahresertrag der Anlage30 kWp mal ca. 950 kWh/kWpca. 28.500 kWh
Ladebedarf der Flotte3 Fahrzeuge, gemischtes Profilca. 8.000 kWh
Davon direkt solar ladbarAnnahme: rund die Hälfte (Standzeiten am Tag)ca. 4.000 kWh
Vorteil je solar geladener kWh27 Cent Netzstrom statt ca. 6 bis 8 Cent Einspeisewertca. 20 Cent
Jährlicher Vorteil Flottenladung4.000 kWh mal 0,20 Euroca. 800 Euro

Die 800 Euro sind nur der Flottenanteil. Der größere Hebel bleibt der übrige Eigenverbrauch des Betriebs, der bei einer passend dimensionierten Anlage den Großteil des Ertrags aufnimmt. Investitionsseitig liegen Gewerbe-Dachanlagen aktuell grob bei 900 bis 1.200 Euro je kWp netto, je nach Dach und Projektgröße. Amortisationszeiten von 7 bis 12 Jahren sind bei gutem Eigenverbrauchsanteil eine realistische Spanne, verlässlich wird die Zahl aber erst mit dem konkreten Lastprofil des Betriebs.

In fünf Schritten zur passenden Dimensionierung

Wer strukturiert vorgeht, kommt mit einem Nachmittag Vorarbeit zu einer belastbaren Anfrage an den Fachbetrieb:

  1. Stromverbrauch erfassen. Jahresverbrauch des Betriebs aus der letzten Stromrechnung ablesen und grob nach Tag und Nacht aufteilen.
  2. Ladebedarf der Flotte rechnen. Tageskilometer je Fahrzeug mal Verbrauch je 100 Kilometer mal Arbeitstage. Beim TX1-e mit 60 Tageskilometern sind das rund 2.600 kWh im Jahr.
  3. Standzeiten notieren. Welche Fahrzeuge stehen wann im Hof? Daraus ergibt sich, welcher Anteil des Ladebedarfs realistisch in die Sonnenstunden fällt.
  4. Dachfläche prüfen. Pro kWp werden je nach Modultyp grob 5 bis 7 Quadratmeter Dachfläche benötigt. Statik und Zustand des Dachs gehören in die frühe Prüfung, nicht ans Ende.
  5. Angebote mit Lastprofil einholen. Wer dem Solarteur Verbrauch, Flottenbedarf und Standzeiten mitliefert, bekommt eine Auslegung statt eines Katalogpreises. Erst damit wird die Amortisationsrechnung seriös.

Ladestrategie: tagsüber laden statt nur nachts

Das klassische Depotladen über Nacht bleibt die Basis, denn es ist bequem und batterieschonend. Wer Solarstrom nutzen will, verschiebt aber gezielt einen Teil der Ladung in den Tag. Drei Ansätze haben sich bewährt:

  1. Standzeiten nutzen. Fahrzeuge, die mittags im Betrieb stehen, hängen in dieser Zeit am Kabel. Schon zwei bis drei sonnige Stunden bringen beim TX1-e Strom für 20 bis 30 Kilometer.
  2. Touren staffeln. Wenn nicht alle Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sein müssen, lädt das jeweils pausierende Fahrzeug am PV-Überschuss.
  3. Wochenenden mitnehmen. Samstag und Sonntag steht die Flotte meist im Hof, die Anlage liefert trotzdem. Wer freitags mit niedrigem Ladestand abstellt, lädt das Wochenende über praktisch kostenlos.

Die Umsetzung muss dabei nicht kompliziert sein. Wegen der niedrigen Ladeleistung von 2,2 kW genügt für den Einstieg oft eine simple Zeitsteuerung, die das Laden auf die Mittagsstunden legt. Wer es genauer möchte, setzt eine Überschusssteuerung ein, die die Ladefreigabe an die aktuelle PV-Erzeugung koppelt. Solche Lösungen gibt es als Zubehör vieler Wechselrichter-Hersteller und sie rechnen sich umso eher, je mehr Fahrzeuge tagsüber im Hof stehen.

Ehrlich bleibt festzuhalten: Ein Lieferfahrzeug, das täglich von 7 bis 17 Uhr unterwegs ist, lädt kaum direkt an der Sonne. Für solche Profile lohnt sich die PV-Anlage trotzdem über den übrigen Betriebsverbrauch, oder man prüft einen stationären Speicher, der den Mittagsstrom in den Abend verschiebt. Dessen Wirtschaftlichkeit ist ein eigenes Rechenkapitel und sollte separat geprüft werden.

FAQ: Häufige Fragen zu PV und E-Flotte

Lohnt sich die Kombination auch bei kleiner Flotte?

Ja, weil die Rechnung pro Kilowattstunde funktioniert, nicht pro Fahrzeug. Schon ein einzelnes E-Nutzfahrzeug erhöht den Eigenverbrauch der Anlage um mehrere tausend Kilowattstunden im Jahr und verbessert damit deren Rendite.

Brauche ich zwingend ein Lastmanagement?

Bei den niedrigen Ladeleistungen der TYN-e-Modelle meist nicht. Mehrere Fahrzeuge mit je 2,2 kW bleiben zusammen unter der Leistung einer einzelnen 11-kW-Wallbox. Ab größeren Flotten oder in Kombination mit anderen Großverbrauchern lohnt der Blick auf eine Überschusssteuerung, die das Laden automatisch der Sonne nachführt.

Was passiert an dunklen Tagen?

Dann lädt die Flotte wie gewohnt aus dem Netz, bevorzugt über Nacht. Die PV-Anlage ist eine Kostenbremse, keine Voraussetzung für den Betrieb. Reichweite und Einsatzplanung bleiben davon unberührt.

Muss die Anlage angemeldet werden?

Ja. Jede netzgekoppelte PV-Anlage wird beim örtlichen Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen. Beides übernimmt in der Regel der ausführende Fachbetrieb. Die Eintragung ist zugleich Voraussetzung für die Einspeisevergütung.

Wie sicher sind die Einspeisesätze?

Der Satz zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme ist nach aktueller Rechtslage für 20 Jahre garantiert. Für Neuanlagen ab 2027 wird derzeit eine EEG-Reform diskutiert, die die feste Vergütung für kleinere Anlagen ablösen könnte. Beschlossen ist das noch nicht (Stand Juli 2026). Wer ohnehin plant, sichert sich mit einer Inbetriebnahme unter geltendem Recht die heutigen Konditionen.

Fazit: Das Dach rechnet mit

Photovoltaik macht aus dem E-Nutzfahrzeug einen doppelten Sparposten: Die Flotte senkt ihre Energiekosten, und die PV-Anlage steigert ihren Eigenverbrauch genau dort, wo jede Kilowattstunde rund 20 Cent mehr wert ist als im Netz. Die Faustformel von 4 bis 5 kWp je Fahrzeug liefert den Einstieg, die ehrliche Wirtschaftlichkeitsrechnung entsteht aus dem konkreten Lastprofil. Wer beides zusammen denken möchte, Fahrzeuge und Ladestrategie, bespricht das am besten in einer Flottenberatung. Einen Gesamtüberblick über alle Schritte der Umstellung gibt außerdem unser Leitfaden zum Aufbau eines Elektro-Fuhrparks.

Stand-Box Preise und Vergütungen (Juli 2026): EEG-Teileinspeisung für Inbetriebnahmen 01.02. bis 31.07.2026: 7,78 / 6,73 / 5,50 ct/kWh je nach Anlagenanteil, danach turnusmäßige Absenkung um ca. 1 Prozent (Quelle: Bundesnetzagentur). Gewerbestrompreis für kleinere Betriebe: rund 27 ct/kWh (Verivox, Anfang 2026), größere Abnehmer teils deutlich darunter (BDEW: 16,7 ct/kWh für kleine bis mittlere Industriebetriebe). Investitionskosten und Amortisationszeiten sind Marktspannen und vor einer Entscheidung tagesaktuell zu prüfen. Förderprogramme (z. B. KfW) jeweils aktuell prüfen.

Quellen (Stand Juli 2026)